Die Geschichte des Sandstrahlens: von 1870 bis heute
Sandstrahlen wirkt wie ein Verfahren aus der Industrialisierung, und das ist es auch: Die Idee ist über 150 Jahre alt. Verändert hat sich seither weniger das Prinzip als das, womit gestrahlt wird und unter welchen Schutzmaßnahmen.
1870: das erste Patent
Der amerikanische Erfinder Benjamin Chew Tilghman erhielt 1870 das US-Patent 108.408 auf ein Verfahren zum Schneiden und Gravieren von Stein, Metall und Glas mit Sand. Der Überlieferung nach kam ihm die Idee, als er beobachtete, wie vom Wind getriebener Sand Fensterscheiben mattiert hatte.
Sein Patent nannte bereits eine Reihe von Anwendungen, die bis heute üblich sind: Feilen schärfen, Glas gravieren, Kessel reinigen, die Maserung von Holz herausarbeiten. Die frühe Verbreitung lief denn auch über die Glasverarbeitung und die Steinmetzarbeit, wo sich Muster und Schriften einbringen ließen, ohne mit dem Werkzeug anzusetzen.
Vom Sand zum Strahlmittel
Der Name blieb, das Material nicht. Quarzsand war lange das Selbstverständliche, bis klar wurde, was der dabei entstehende Feinstaub anrichtet: Quarzstaub verursacht Silikose, eine Staublungenerkrankung. Das hat den Umgang mit dem Verfahren stärker verändert als jede technische Neuerung.
Heute wird je nach Aufgabe mit anderen Strahlmitteln gearbeitet:
- Korund: hart und scharfkantig, für Metall und Stein
- Stahlgrit und Stahlkugeln: wirkungsvoll bei Rost, wiederverwendbar
- Granatsand: mittlere Abrasivität, geringere Staubbelastung
- Glasperlen: schonend, für empfindliche Oberflächen wie Aluminium
- Nussschalen: weich, wo möglichst wenig abgetragen werden soll
Welches davon zum Einsatz kommt, entscheidet über das Ergebnis mindestens so stark wie der Druck. Mehr dazu steht im Artikel Sandstrahlen Kosten, wo auch die Entsorgung des gebrauchten Strahlguts eine Rolle spielt.
Wo Sandstrahlen heute eingesetzt wird
- Fahrzeuge: Karosserien, Unterböden, Rahmenteile und Felgen vor der Neulackierung
- Bau und Sanierung: Fassaden, Betonflächen, Naturstein und alte Farbschichten
- Metallverarbeitung: Entgraten, Entrosten und Aufrauen vor dem Beschichten
- Handwerk und Gestaltung: Glas mattieren, Schrift und Ornamente in Stein einbringen, Holzmaserung herausarbeiten
- Alte Möbel und Gusseisen: siehe Antiquitäten und alte Möbel strahlen
Was sich zuletzt geändert hat
Zwei Entwicklungen prägen die Praxis. Die eine ist der Arbeitsschutz: Absaugung, Einhausung, Schutzausrüstung und der Verzicht auf quarzhaltiges Strahlmittel sind heute Standard, nicht Kür. Die andere ist, dass Sandstrahlen nicht mehr das einzige Verfahren ist.
Wo eine Oberfläche nur sauber werden soll, ohne dass Material abgetragen wird, hat sich Trockeneisstrahlen daneben etabliert. Die beiden stehen nicht in Konkurrenz, sie lösen verschiedene Aufgaben: Sandstrahlen trägt ab, Trockeneis reinigt. Der Vergleich beider Verfahren geht darauf im Detail ein.
Etwas zu strahlen?
Wenn du ein Teil oder eine Fläche hast, die bearbeitet werden soll, schick mir ein paar Fotos. Dann sage ich dir, welches Verfahren dafür passt und was es kostet.